Ortsteil-Porträt Blessem: Die Burg, das Kloster und das Dorf der Pendler
Foto: Burg Blessem — Wikimedia Commons (CC-Lizenz)
Geschichte

Ortsteil-Porträt Blessem: Die Burg, das Kloster und das Dorf der Pendler

Blessem ist ein Ort der Widersprüche: eine Burg, die 800 Jahre überdauerte und heute Wohnanlage ist; ein Zisterzienserinnenkloster, von dem nur noch eine Kapelle steht; ein Bauerndorf, das zur Braunkohle griff und heute ein Pendlerdorf ist. Wer durch Blessem geht, betritt einen Ort, der immer schon zwischen Herrschaft und Alltag schwankte.

Bladesheim: Eine Handschrift aus Deutz (1155)

Blessem wird erstmals 1155 in einer Handschrift des Benediktinerklosters Deutz als „Bladesheim" genannt — eine der Pfarreien, die jährlich Spenden zum Kloster des heiligen Heribert brachten. Die Endung -heim verrät eine fränkische Gründung; vermutlich steckt der Name eines Hofbesitzers im Stammwort.

Älter als die Urkunde: Die Römervilla

Noch vor den Franken lebten hier Römer: Grabungsfunde eines großen römischen Gutshofs (villa rustica) nahe der Erft und der heutigen Burg belegen eine Besiedlung lange vor 1155. Wer in Blessem gräbt, stößt auf 2.000 Jahre Geschichte.

Die Burg Blessem: Vom Rittersitz zur Wohnanlage

Der Ort entwickelte sich um einen Hof, die spätere Burg Blessem. Die Besitzer nannten sich im 14. Jahrhundert „von Bledisheim". Bis Ende des 16. Jahrhunderts blieb die Burg im Besitz der Familie Scheiffart von Merode zu Bornheim, dann wechselte sie mehrfach den Eigentümer. 1696 gelangte sie durch Verkauf an das Kölner Dominikanerkloster. In der Säkularisation unter Napoleon wurde der Blessemer Hof als geistlicher Besitz beschlagnahmt; 1808 erwarb Johann Wilhelm Meyer aus Köln den Burghof — seine Nachkommen besitzen die Anlage noch heute.

Von außen zu sehen, innen bewohnt

Von der Burg Blessem ist nur die Vorburg erhalten. Eine Brücke führt über den trockengelegten Wassergraben zur korbbogigen Einfahrt. Der Torhaustrakt und die angrenzenden Stallungen wurden zu einer Wohnanlage mit über 20 Wohnungen umgebaut. Das dritte Geschoss des Wohnhauses ist in Fachwerk errichtet — ein letzter Hinweis auf das alte Burghaus, das einst im Garten auf einer Insel stand.

Außenbürger von Lechenich

Die Bewohner Blessems gehörten jahrhundertelang zur Lechenicher Bürgerschaft — doch sie wohnten außerhalb der Stadtmauern und hießen deshalb „Außenbürger". Meist Kleinbauern mit geringem Grundbesitz, zahlten sie Grundpachten, Zehnten und landesherrliche Steuern. Unter französischer Herrschaft blieb Blessem bei Lechenich — bis zur kommunalen Reform und der Gründung Erftstadts 1969.

Braunkohle, Bahn und der Wandel zum Pendlerdorf

Eine wirtschaftliche Verbesserung brachte Ende des 19. Jahrhunderts die Intensivierung des Braunkohleabbaus: Viele Blessemer verdienten ihren Lebensunterhalt in Gruben und Brikettfabriken, die kleine Landwirtschaft liefen sie für den Eigenbedarf weiter. 1895 erhielt das benachbarte Frauenthal durch die Kreisbahn Euskirchen–Liblar eine Bahnstation, die die Blessemer für den Transport ihrer landwirtschaftlichen Produkte nutzten. Die Zusammenlegung der Anbauflächen in den 1920er Jahren ermöglichte erstmals moderne Maschinen.

Heute hat die Landwirtschaft an Bedeutung verloren — es gibt nur noch drei Landwirte in Blessem. Dafür hat der Reitsport mit drei Reitställen stark zugenommen. Die Berufstätigen sind überwiegend Pendler, vor allem nach Köln.

Frauenthal: Kloster, Krankenhaus und die Kapelle

Zu Blessem gehört die kleine Siedlung Frauenthal. Ihr Ursprung liegt in einer Klostergründung der Zisterzienserinnen im 13. Jahrhundert — von dem Kloster ist heute nur noch die Kapelle St. Maria Immaculata erhalten. In Frauenthal liegt das Krankenhaus der Stadt Erftstadt: das 1868 gegründete Marienhospital, eine Stiftung der Eheleute Münch, bis heute eine zentrale Einrichtung der medizinischen Versorgung.

Blessem heute

Wer heute durch Blessem geht, sieht beides: die Vorburg als Zeichen alter Herrschaft und neue Wohngebiete, die seit den 1960er Jahren entstanden. 1801 lebten hier etwa 200 Menschen, heute sind es rund 1.850. Ein Dorf, das vom Kloster zur Kohle und vom Kohleberg zum Pendlerleben wandelte — und seine Burg noch immer im Blick behält.

Quellen: erftstadt.de (Burg Blessem, Ortsgeschichte Blessem — Hanna Stommel), Bürgerforum Blessem/Frauenthal, ErftstadtWiki (erftstadtwiki.de), Wikimedia Commons (Burg Blessem, CC-Lizenz).

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