Stimmt es, dass wir im Schlaf Spinnen verschlucken?
WissenQuelle: Redaktion erftstadt.today

Stimmt es, dass wir im Schlaf Spinnen verschlucken?

Stand: 5. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden

Acht Spinnen im Jahr, heißt es, krabbeln uns im Schlaf in den Mund. Das stimmt nicht, und für die Zahl gibt es nicht einmal einen Beleg.

Was Spinnenforscher sagen

Der Spinnenexperte Rod Crawford vom Burke Museum in Seattle hält das für extrem unwahrscheinlich. Scientific American hält die Acht-Spinnen-Behauptung für wissenschaftlich unhaltbar, verifizierbare Belege gibt es keine. Der Mythos halte weder der Biologie der Spinnen noch der des Menschen stand, schreibt das Magazin. Selbst Fachleute räumen zwar ein, dass ein Verschlucken denkbar wäre, dann aber als reiner Zufall. Menschen erzählen Crawford gelegentlich, ihnen sei das passiert, nur die Beweise haben sie nie. Zeugen für ein so angeblich häufiges Ereignis gibt es ebenfalls keine glaubwürdigen.

Warum Spinnen einen Bogen um uns machen

Spinnen nehmen ihre Umwelt vor allem über Erschütterungen wahr, selbst feinste Schwingungen registrieren sie. Crawford sagt, Vibrationen seien ein großer Teil ihres Sinnesuniversums. Ein schlafender Mensch sendet davon eine ganze Menge aus. Herzschlag und Atem lassen den Körper leicht beben, manchmal kommt Schnarchen dazu. Für eine Spinne ist das ein riesiges Hindernis, das sich bewegt, und kein Anlass, näher heranzukrabbeln.

Der Biologieprofessor Bill Shear, früher Präsident der American Arachnological Society, sagt, Spinnen betrachteten uns ungefähr so, wie sie einen großen Felsen betrachten würden. Wir sind schlicht zu groß, um für sie interessant zu sein.

Im Bett gibt es nichts zu holen

Dazu kommt das Fressverhalten. In nordamerikanischen Wohnungen leben nach Crawfords Angaben typischerweise drei bis vier Spinnenarten, und die bleiben bei ihren Netzen oder in ihren Jagdgebieten, die Menschen meiden. Ein Bett bietet keine Beute und damit keinen Grund zum Besuch, es sei denn, dort leben Bettwanzen.

Außerdem würden die meisten Menschen aufwachen, wenn eine Spinne über das Gesicht krabbelt. Und wer mit offenem Mund schläft, schnarcht eher, was Spinnen zusätzlich abschreckt.

Woher die Zahl kommt

Das weiß niemand genau. Eine verlässliche Quelle für die Acht gibt es nicht, und gerade deshalb hält sich die Geschichte so gut: Sie klingt nach Statistik, lässt sich aber nicht prüfen. Sogar auf den Flaschenverschlüssen der Getränkemarke Snapple wurde sie als „Fakt“ verbreitet, wie Scientific American schreibt. Wer nachts also das Gefühl hat, etwas Haariges sei im Mund gelandet, kann beruhigt weiterschlafen.

Quellen: Scientific American, Fact or Fiction?

Aus der Reihe „Mythos oder Wahrheit?“: Was alle glauben, nachgeprüft. Recherche und Text mit KI-Unterstützung, jede Aussage mit Quelle. Stimme und Zeichnungen im Video sind KI-erstellt. Fehler entdeckt? redaktion@erftstadt.today

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