Werwolf von Bedburg: Was über Peter Stump 1589 belegt ist
Stand: 2. Oktober 2026 · Fehler entdeckt? Hinweis senden
Der „Werwolf von Bedburg“ ist Peter Stump (auch Stubbe oder Stübbe Peter), ein Bauer aus dem Bedburger Raum, der am 31. Oktober 1589 nach einem Prozess wegen Zauberei und angeblicher Verwandlung in einen Wolf öffentlich hingerichtet wurde. Der Fall gilt als einer der bekanntesten Werwolfprozesse der Frühen Neuzeit – und ist bis heute eng mit Bedburg verbunden.
Wer war Peter Stump?
Über die Person selbst ist wenig gesichert. Die Quellen schreiben den Namen unterschiedlich (Stump, Stubbe, Stupe), sie nennen ihn einen Bauern. Er stammte nach heutigem Forschungsstand vermutlich aus Epprath, einem Dorf bei Bedburg, das später dem Braunkohletagebau weichen musste. Die Stadt Bedburg spricht deshalb auch vom „Werwolf von Epprath“. Zusammen mit ihm wurden seine Tochter und eine weitere Frau angeklagt und ebenfalls hingerichtet.
Was wurde ihm vorgeworfen?
Die Anklage lautete auf Zauberei, einen Bund mit dem Teufel und darauf, über viele Jahre in Wolfsgestalt schwere Verbrechen begangen zu haben, darunter Morde. Das „Geständnis“ kam unter Folter zustande, wie es in Hexen- und Werwolfprozessen dieser Zeit üblich war. Die Zahl der Opfer und die Einzelheiten stammen ausschließlich aus Flugblättern – sie lassen sich historisch nicht überprüfen.
Woher wissen wir davon? Die Quellenlage
Gerichtsakten sind nicht erhalten. Was wir wissen, stammt aus der Publizistik der Zeit – der Fall war 1589 eine echte Medien-Sensation:
- Illustrierte Flugblätter erschienen noch 1589 in Augsburg (Johann Negele) und Nürnberg (Lucas Mayer); ein weiteres Blatt wird Philipp Uffenbach zugeschrieben.
- Flugschriften wurden in Köln (Niclas Schreiber) und Antwerpen gedruckt.
- Übersetzungen erschienen 1590 in London und 1591 in Kopenhagen. Die englische Flugschrift ist die ausführlichste erhaltene Darstellung; ihre deutsche Vorlage ist verloren.
- Der Kölner Ratsherr Hermann von Weinsberg erwähnt den Fall in seinen Aufzeichnungen.
Die Flugblätter nennen als Hinrichtungstag den 31. Oktober 1589 und verorten Bedburg „bei Köln“. Deshalb ist in manchen, vor allem englischsprachigen Darstellungen von einer Hinrichtung in Köln die Rede; die Stadt Bedburg und die neuere Forschung nennen Bedburg als Ort.
Wie ordnen Historiker den Fall ein?
Die Flugschriften waren keine neutralen Berichte, sondern moralisch-belehrende und auch auf Verkauf zielende Drucke. Die Forschung warnt deshalb davor, ihre Angaben unkritisch zu übernehmen. Der Prozess fällt in eine unruhige Zeit: Kurz zuvor (1578–1584) hatte es in Bedburg einen Erbfolgestreit gegeben, und das Rheinland war vom Konflikt zwischen den Konfessionen geprägt. Einzelne Historiker deuten Stump deshalb als Opfer der Gegenreformation oder als Sündenbock für Gewalt in einer kriegsgeplagten Region. Laut Stadt Bedburg wurde der Bedburger Prozess zu einem prägenden Modell für Werwolfprozesse im deutschsprachigen Raum und war über Dänemark bis England bekannt.
Der Fall auf einen Blick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Name | Peter Stump, auch Stubbe/Stübbe Peter |
| Herkunft | vermutlich Epprath bei Bedburg (Ort heute abgebaggert) |
| Vorwurf | Zauberei, Teufelspakt, Verbrechen in Wolfsgestalt |
| Hinrichtung | 31. Oktober 1589 |
| Mitangeklagte | seine Tochter und eine weitere Frau |
| Quellen | Flugblätter und Flugschriften 1589–1591, Aufzeichnungen Hermann von Weinsbergs; keine Gerichtsakten |
Auf den Spuren des Werwolfs: der Wanderweg
Die Stadt Bedburg hat der Geschichte einen Themenweg gewidmet. Der Werwolf-Wanderweg ist laut Stadt ein Rundweg von etwa 10 Kilometern mit sieben Stationen und Infotafeln. Er besteht aus zwei Teilen von je rund 5 Kilometern (jeweils etwa eine Stunde):
- „Das Unwesen des Werwolfs“ rund um den Kasterer See: Wolfgangstieg, Kasterer Höhe, Kasterer See, (Neu-)Epprather Brücke über die Erft.
- „Die Gerichtsrunde“ durch Bedburg: (Neu-)Epprather Brücke, Rathaus, Schloss Bedburg, Erfthalbinsel Broich.
Ein guter Ausgangspunkt ist das mittelalterliche Alt-Kaster mit seinem Parkplatz an der Hauptstraße 81 – so lässt sich die Wanderung mit einem Rundgang durch die Altstadt verbinden.
Warum gerade Halloween?
Der Hinrichtungstag 31. Oktober ist heute Halloween – ein Zufall, der dem Fall alljährlich Aufmerksamkeit beschert. Für Bedburg bleibt die Geschichte vor allem ein Stück Regional- und Justizgeschichte, das zeigt, wie Folter, Aberglaube und Flugblatt-Publizistik im 16. Jahrhundert zusammenwirkten.
Quellen: Stadt Bedburg („Auf den Spuren des Werwolfs von Epprath“), Elmar Lorey: Flugblätter zum Fall Peter Stump, Masterarbeit „Weil er geführt ein Wolff leben“ (Universität Duisburg-Essen), Wikipedia (Peter Stumpp) als Ausgangspunkt. Stand: Oktober 2026.