Wie der KI-Boom Kohle, Öl und Gas zusätzlich antreiben kann
KI-generiertes Bild
WissenschaftQuelle: DER SPIEGEL

Wie der KI-Boom Kohle, Öl und Gas zusätzlich antreiben kann

Künstliche Intelligenz gilt oft als Werkzeug für die Energiewende. Algorithmen sollen Stromnetze besser steuern, Verbrauch vorhersagen und erneuerbare Energie effizienter nutzbar machen. Eine neue Analyse kommt jedoch zu einem ernüchternden Schluss: Unter den derzeitigen Bedingungen kann der KI-Boom den Ausstoß von Treibhausgasen sogar deutlich erhöhen.

Rechenzentren brauchen viel Energie

Der erste Grund liegt auf der Hand. Das Training und der Betrieb großer KI-Modelle benötigen leistungsfähige Rechenzentren. Diese Anlagen verbrauchen nicht nur Strom für Prozessoren und Speicher, sondern auch Energie für Kühlung und Netzbetrieb. Wenn der zusätzliche Bedarf nicht vollständig durch neue erneuerbare Anlagen gedeckt wird, müssen fossile Kraftwerke einspringen.

Die Debatte ist auch für Nordrhein-Westfalen relevant. Im Rheinischen Braunkohlerevier westlich von Köln entstehen große Rechenzentren. Was zunächst als Symbol für den Wandel von der Kohle zur KI gilt, kann den Strukturwandel widersprüchlich machen: Wenn neue digitale Infrastruktur mehr Strom benötigt, steigt der Druck, Kohlekraftwerke länger am Netz zu halten.

KI wird auch in der Öl- und Gasindustrie eingesetzt

Der zweite Punkt wird seltener genannt. Unternehmen der fossilen Industrie setzen KI ein, um Förderanlagen zu überwachen, Bohrungen zu optimieren und Produktionsausfälle zu vermeiden. Das kann die Förderung effizienter machen — und zugleich dazu führen, dass mehr Kohle, Öl und Gas wirtschaftlich genutzt werden. Effizienz allein ist deshalb kein Klimaschutz, wenn sie den Verbrauch vergrößert.

Eine im Fachjournal npj Climate Action veröffentlichte Studie schätzt, dass KI die globalen Emissionen je nach Entwicklung um mehrere hundert Millionen bis zu 1,8 Milliarden Tonnen jährlich erhöhen könnte. Das ist eine Modellrechnung, keine Messung der zukünftigen Realität. Sie zeigt aber, wie stark das Ergebnis davon abhängt, mit welchem Strom die Rechenzentren betrieben werden und wofür Unternehmen die Technik einsetzen.

Technik ist kein Selbstläufer

Die Konsequenz lautet nicht, KI pauschal abzulehnen. Sie lautet: Der Nutzen muss politisch und technisch an Bedingungen geknüpft werden. Rechenzentren brauchen transparente Energie- und Wasserbilanzen. Anwendungen in der fossilen Förderung müssen in die Klimabilanz einfließen. Und ein intelligentes System ersetzt keine Entscheidung darüber, welche Ziele gesellschaftlich gelten.

Die zentrale Frage ist damit nicht, ob KI modern ist. Sie lautet, ob ihr Ausbau schneller vorangetrieben wird als der Ausbau sauberer Energie. Wenn das Verhältnis nicht stimmt, wird aus dem Werkzeug für die Energiewende ein zusätzlicher Verstärker der Klimakrise.

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